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Von Interesse

 

Artikel aus der Sudetendeutschen Zeitung vom 20.07.2012:

Vergessen nicht, aber verzeihen und versöhnen 

Dies ist die Überzeugung von Kunstmaler Rudolf Raab, geb. am 4. Juni 1929 in Niederwigstein bei Troppau, als Waisenkind mit seiner Schwester aufgewachsen im Waisenhaus in Wigstadtl, und dann adoptiert von einer Familie in Morawitz, ebenfalls bei Troppau. Er kam mit dieser Familie nach der Vertreibung über Furth im Wald nach Berchtesgaden und konnte bei dem kunstgewerblichen Maler Walter Schuhmann eine 3-jährige Lehre absolvieren: „Ich bekam kein Geld, aber Essen und musste täglich vom Flüchtlingslager Anzenbach 8 km nach Königsee laufen..“ Die Amerikaner hatten in dieser Zeit für die deutsche Jugend einen Wettbewerb ausgeschrieben, das er mit einer Zeichnung der Baracke und der Eltern gewann – der Vater hat da eine Zeitung in der Hand: „Der Sudetendeutsche“. Dieses 1,80 x 1,50 m große Bild „Barackenzimer mit Eltern“ war dann Teil einer Wanderausstellung u.a. in Heidelberg und München- dort bekam er als 15-Jähriger vom damaligen Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer eine Ehrenurkunde – was ihn heute mit 83 Jahren noch freut. Es folgten Zeichnungen wie „Vor den Toren Prags, Neue Heimat, Heimatlos“ - einige dieser Bilder sind nunmehr im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt ausgestellt, u.a. „Es geschah in Morawitz 1945“ und „Vor den Toren Prags“. Er lernte seine Frau Irmgard als Urlauberin kennen – sie heirateten in 1958 und zogen in ihren Heimatort Winterhausen bei Würzburg, wo eine evangelische Trauung mit einem Katholiken damals schon möglich war.. Von 1989 nach der „samtenen Revolution“ in der damaligen CSSR gab es regelmäßige Treffen der Schulkollegen in Karlstadt, wo auch Paul Hosek teilnahm, der als Bäcker in Morawitz bleiben konnte: Ihm hat er dann einige Bilder mitgegeben, u.a. ein Bild von Morawitz mit einer kleinen Kapelle im Vordergrund, mit dem Feuerwehr-Spritzenhaus und der Kirche im Hintergrund sowie ein fast mannshohes Bild mit einer Kreuzigungsgruppe. In diesem Zusammenhang bekam er im Januar 2012 einen Brief des jetzigen Bürgermeisters Josef Dus: „Sehr geehrter Herr Raab, erlauben Sie mir herzlichst zu danken für die Bilder, die Sie ihrem Geburtsort gewidmet haben. Eines der Bilder erhielt einen Ehrenplatz in der Kirche, das anderes im Gemeindeamt. Es ist ersichtlich, Sie sind ein großer Künstler. Die Abbildung unseres Dorfes ist ganz realistisch, auch für uns Moravicer, die wir täglich durchs Dorf gehen ist es überraschend, wie detailliert Sie arbeiten. Mit Paul Hosek, der eine Reproduktion eines Bildes aufs Rathaus brachte, haben wir lange gesprochen, nicht nur von Ihnen, sondern von Erinnerungen an die Zeit, als Sie zusammen mit anderen unser Dorf verlassen mussten. Darum sind wir wirklich froh, dass Sie Moravice und seine Einwohner nicht vergessen haben und ihnen ein so schönes und dauerhaftes Geschenk machten. Sollten Sie in Zukunft unser und Ihr Dorf besuchen, würde ich mich freuen, Sie persönlich kennenzulernen und mich persönlich zu bedanken. Ich wünsche Ihnen viel schönes Wetter, Gesundheit und Optimismus! Mit Gruß Dus Josef, Bürgermeister Gemeinde Moravice“ - Und zu Pfingsten 2012 war es soweit: Der Sohn Wolfgang Raab fuhr mit den Eltern nach Morawitz – und der Bürgermeister lud sie zu einem gemeinsamen Essen in die Gaststätte ein, auch die Vertreter des Landesverbands Böhmen, Mähren und Schlesien in Troppau, der Vorsitzende Günter Korinec und Maria Rutzka waren dabei, es folgte ein Besuch der Ortskirche: das Ortsbild hängt im Rathaus und die Kreuzigungsgruppe hat einen Ehrenplatz in der Kirche erhalten – Rudolf Raab ist gerührt und glücklich – und er kann zu Recht sehr stolz sein. Wie sagte er: „Vergessen nicht, aber verzeihen und versöhnen“. Und der Sohn konnte nicht genug staunen über die herrliche Landschaft Nordmährens, besonders über den überwältigenden Rundblick vom Altvaterturm. Mit einem Besuch in Österreich bei Verwandten schloss diese Heimatfahrt. Voll Stolz erinnert er sich noch an eine Ausstellung im Schützenhaus in Winterhausen, als er sogar Schützenkönig war: „Mehr als 200 Ölgemälde, Bleistift- und Federzeichnungen schmücken vier Tage die Wände des Schützenhauses. Ihr Schöpfer ist Rudolf Raab… Seine 1. Ausstellung in Würzburg eröffnete sein Freund (!) Luis Trenker, den er in Südtirol kennenlernte und auch besuchte und von dem er auch ein vielbeachtetes Porträt schuf, wie auch von vielen anderen Persönlickeiten. In der „Frankfurter Illustrierten“ waren die 2 Bilder „Es geschah in Morawitz 1945“ und „Vor den Toren Prags“ ebenfalls abgebildet und eindrucksvoll kommentiert: „Es geschah in Morawitz 1945 und was sich da ereignete, war typisch für das Geschehen im Sudetenland, in Schlesien und den anderen Gebieten, aus denen die Deutschen vertrieben wurden.“ Zitat Rudolf Raab: „Wir waren vogelfrei, mussten das N tragen, auf tschechisch Nemec (Deutscher). Deshalb zeichnete ich diese Motive“ Raab erläuterte: Von links nach rechts: „Die Durchsuchung einer Kiste nach Geld usw., das Abwiegen, da man nur 50 kg mitnehmen durfte. Meine Mutter vor den letzten Habseligkeiten, die sie in den Sack gibt - unter Beaufsichtigung eines Soldaten.“ Die Frankfurter Illustrierte beschreibt weiter: „.. mit 50 kg Gepäck, in Schlesien durften es häufig nur 10 sein, des Geldes und der Wertsachen beraubt, wurden die Flüchtlinge in die Elendslager und von dort in die deutschen Restgebiete geschickt. Treffender könnte das letzte Kapitel der Austreibung nicht festgehalten sein. Was Polen und Tschechen zu fotografieren vergassen – Rudolf Raab hat es aus eigenem Erleben mit dem Zeichenstift festgehalten.
Korrespondenzadresse:
Rudolf Raab,
Schützenweg 7,
97286 Winterhausen,
Tel: 09333/1286

Bgm++Josef+Dus-Karl+Raab Kreuzigungsgruppe+in+Kirche

Bild oben links:
Der Morawitzer Bürgermeister Josef Dus und Wolfgang Raab mit Raabs Bild von Morawitz

Bild oben rechts:
Raabs "Kreuzigungsgruppe"

Bild unten:
Raabs Zyklus "Die große Austreibung"

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